St.Gallens wirbellose Tierwelt – reichhaltig und vielfältig

Im Kanton St.Gallen gibt es rund 15’000 verschiedene Arten von wirbellosen Tieren. Sie besiedeln alle Lebensräume, vom Wasser des Bodensees bis auf die Schneefelder des 3247 Meter hohen Ringelspitz (CH über 31’000).

Wirbellose Tiere haben kein inneres Skelett. Zu ihnen gehören Gliederfüsser (u.a. Insekten, Spinnen, Tausendfüsser), Weichtiere (u.a. Schnecken, Muscheln, Tintenfische), Würmer (u.a. Regenwurm, Fadenwurm, Egel), Quallen und viele mehr.

Insekten

Ein Insekt besitzt ein Aussenskelett. Dieses ist gegliedert in Kopf, Brust und Hinterleib. Insekten haben drei Beinpaare, also sechs Beine. Sie sind die artenreichste Gruppe innerhalb der wirbellosen Tiere. Nach aktuellen Daten kommen in der Schweiz ca. 29’500 Arten vor (Hotspot 40/2019). Es dürften aber noch viel mehr sein, da die beiden grössten Ordnungen, die Zweiflügler (Fliegen und Mücken) und die Hautflügler (u.a. Bienen, Wespen, Schlupfwespen, Ameisen) ungenügend erforscht und erfasst sind. Man rechnet mit ca. 58’000 wirbellosen Tierarten schweizweit.

Beim Schweizerischen Zentrum für Kartografie der Fauna (CSCF) gibt es für einige Gruppen Angaben zu den verschiedenen Artenzahlen.

Art Anz. Schweiz Anz. Kanton St.Gallen
Wildbienen 637 316
Laufkäfer 552 276
Libellen 84 66
Heuschrecken 120 58
Tagfalter und Widderchen 250 169
Nachtfalter (ohne Kleinschmetterlinge) 864 506
Köcherfliegen 302 161

Einige dieser Arten haben ihr Hauptverbreitungsgebiet im Kanton St.Gallen. Von anderen wiederum existieren sogenannte Restpopulationen. Solche Arten gilt es speziell zu schützen und zu fördern.

Dazu gehören:

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Sumpf-Heidelibelle Männchen
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Moorwiesenvögelchen
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Grosses Wiesenvögelchen
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Schweizer Goldschrecke

Spinnentiere

Der Körper der Spinnentiere ist in zwei Teile gegliedert, in einen Vorder- und einen Hinterleib. Darüber hinaus besitzen sie vier Beinpaare. Zu den Spinnentieren gehören unter anderem Milben, Weberknechte, Pseudoskorpione, Skorpione und die Webspinnen.

Von den Milben kommen weltweit über 50’000 Arten vor. Sie sind entweder Räuber, fressen Detritus oder leben als Parasiten auf Pflanzen oder Tieren. Sie besiedeln alle Lebensräume, so auch den Boden. Hier leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Zersetzung und Durchmischung des organischen Materials. Zu den Milben gehören auch die Zecken. Im Kanton St.Gallen sind 7 Arten heimisch (ganze Schweiz 29 Arten). Sie leben als Parasiten und sind oft Überträger von Krankheiten.

Bei den Spinnentieren gibt es noch einiges zu erforschen. Bis jetzt ist nur folgendes bekannt:

Art Anz. Schweiz Anz. Kanton St.Gallen
Webspinnen 993 229
Skorpione 5 2
Milben keine Artenzahlen bekannt
Weberknechte keine Artenzahlen bekannt
Pseudoskorpione 63
Quelle: CSCF und Checkliste der Pseudoskorpione

Was klassisch als Spinne bezeichnet wird, ist die Gruppe der Webspinnen. Sie haben die Fähigkeit einen Spinnfaden herzustellen. Die meisten sind Landbewohner und wahrscheinlich die bekanntesten Vertreter der Spinnentiere. Aktuell gibt es weltweit über 48’000 Arten, davon leben laut CSCF 993 in der Schweiz.

Mit Hilfe von Giftklauen, filigranen Netzen und zum Teil leistungsfähigen Augen jagen Spinnen Insekten und andere Kleinstlebewesen. Aus diesem Grund sind sie in den Häusern gern gesehene Kammerjäger.

Auch bei den Spinnen gibt es gebietsfremde Arten, welche sich nach und nach in der Schweiz etablieren. Dazu gehört zum Beispiel die Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana).Sie hat sich in den letzten Jahren in der Schweiz ausgebreitet, so auch im Kanton St.Gallen.

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Eichblatt Radspinne
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Wespenspinne
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Veränderliche Krabbenspinne

Schnecken und Muscheln

Schnecken und Muscheln gehören zu den Weichtieren (Mollusken). Sie haben kein Aussenskelett und der Körper ist eigentlich ein einziger Muskel. Viele Mollusken schützen ihren Körper mit einer harten Kalkschale. Von den 293 Arten der Schweiz sind 211 Land- und 82 Wasserbewohner, 35 davon sind Muscheln. Im Kanton St.Gallen sind gemäss CSCF total 184 Muscheln- und Schneckenarten nachgewiesen. Für einige dieser Arten gilt ein besonderes Augenmerk, da sie einzigartig für die Schweiz sind oder sich wichtige Populationen im Kantonsgebiet befinden.

Durch den internationalen Schiffsverkehr und die Klimaerwärmung sind aber auch fremdländische Arten eingeschleppt worden, von denen sich einige invasiv verhalten wie etwa die Zebra- und Quagga-Muscheln und heimische Arten verdrängen. Die intensive Landwirtschaft sowie das Verschwinden von Lebensräumen setzen den Weichtieren weiter zu.

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Hainbänderschnecke
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Glanzschnecke
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Wegschnecke

Krebstiere

Zu den Krebstieren gehören Krabben, Garnelen, Krebse, Muschelkrebse und viele mehr. Sie haben doppelte Antennenpaare und Kiemen.

Die meisten Krebse führen ein Leben im Wasser. Innerhalb der Asseln haben sich die Landasseln an ein Leben ausserhalb des Wassers angepasst, ihre Kiemenatmung aber trotzdem beibehalten. Sie besiedeln bevorzugt dunkle und feuchte Orte, so lebt die Kellerassel unter Steinen, im Laub oder auch im Komposthaufen.

Die Klasse der «Höheren Krebse» ist die artenreichste Klasse innerhalb der Krebstiere. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Flusskrebse, die Asseln und die Flohkrebse. Für diese drei Gruppen sind in der Schweiz gemäss CSCF die Artenzahlen bekannt.

Art Anz. Schweiz Anz. Kanton St.Gallen
Flusskrebse 7 5
Asseln 40 keine Angaben vorhanden
Flohkrebse 40 3
Quelle: CSCF und Band 32, Fauna Helvetica, Amphipoda, 2019

Bei den acht Flusskrebs-Arten in der Schweiz, sind nur drei Arten heimisch:

Die restlichen Arten wurden eingeschleppt und haben unter anderem Krankheiten mitgebracht. Diese Krankheiten bedrohen die einheimischen Arten, da diese nicht resistent gegen die neuen Keime sind. Auch unter den Flohkrebsen gibt es eingeschleppte Arten.

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Flussflohkrebs
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Assel
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Steinkrebs

Die Vergessenen …

Neben den aufgelisteten Arten gibt es viele weitere wirbellose Lebewesen. Einige von ihnen existieren ohne dass der Mensch Kenntnis von ihnen nimmt. Hier ist eine kleine, natürlich sehr unvollständige Auflistung der Vergessenen.

Tausendfüsser bewohnen alle Kontinente und bevorzugen eine feuchte und dunkle Umgebung, wie etwa morsches Holz. Alle Tausendfüsser haben einen länglichen Körper. Der Rumpf besteht aus Segmenten, welche mit einem oder zwei Beinpaaren versehen sind. 1000 Füsse besitzt aber kein einziges Tier.

Kompost- und Regenwürmer sind zwei verschiedene Arten. Der Kompostwurm lebt nicht im Boden, sondern im Misthaufen oder Kompost. Er lebt dort, wo andere Regenwürmer nicht überleben und ernährt sich von organischen Abfällen. Der Gemeine Regenwurm oder auch Tauwurm genannt, ist die bekannteste und verbreiteste der über 40 einheimischen Regenwurmarten.

Bärtierchen sind weniger als 1 mm gross und besitzen acht Beine. Ihre tapsige Fortbewegung und ihr Aussehen erinnern an Bären. Sie leben im Wasser oder in feuchten Lebensräumen. An Land bewohnen sie häufig Mooskissen. Um Trockenheitsperioden, Kälteeinbrüche, Sauerstoffmangel usw. zu überleben haben die Bärtierchen einzigartige Anpassungen entwickelt.

Der Gletscherfloh (Desoria saltans) gehört zu den Springschwänzen, ist schwarz und etwa 1,5 bis 2 mm lang. Er lebt auf den Gletschern und Schneeflächen der Alpen und ist auch auf dem Ringelspitz zu Hause. Bei Gefahr springt er auf, wobei sein Sprung einen Salto ähnelt.

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Bärtierchen
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Kompostwürmer
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Tausendfüsser